Erstmals startete sie international bei einer Meisterschaft und gewann auf Anhieb Gold: Anja Bellmann vom Chemnitzer AC (CAC) triumphierte bei der Masters-EM der Gewichtheber, die aktuell im polnischen Raszyn (Region Warschau) stattfindet. In der Kategorie bis 55 Kilogramm der AK 3 markierte sie zudem mit ihren Leistungen (Zweikampf: 110; Reißen: 49 kg; Stoßen: 61 kg) drei deutsche Rekorde. ‚Es war insgesamt sehr nervenaufreibend. Für mich ist es das Größte, was ich bisher geschafft habe. Europameisterin zu sein – ein tolles Gefühl‘, strahlte die 45-Jährige.
Auf ihre bislang wichtigste Bewährungsprobe hatte sie sich gemeinsam mit ihrer Trainerin Sandra Martin sehr akribisch vorbereitet. Selbst während des Urlaubs mit der Familie in Österreich spulte sie ihr geplantes Pensum in einer nahegelegenen Crossfitbox ab. Dass dann sogar der Titel heraussprang, damit hatte sie im Vorfeld überhaupt nicht gerechnet. Doch dann lief der Wettkampf trotz großer Aufregung sehr gut. Eigentlich hatte Anja Bellmann, die als Laborantin in der Landesuntersuchungsanstalt arbeitet, schon länger mit einem EM-Start geliebäugelt. Doch wegen Corona gab es Verschiebungen oder fehlende Qualifikationsmöglichkeiten. Der Wunsch, einmal international zu starten, hatte sich bei ihr auch während der Einsätze als Kampfrichterin bei bislang drei EMs der Jugend verstärkt. Mit 21 Jahren war die frühere Leichtathletin einst zu den Hanteln gewechselt, erkämpfte als Aktive vier Deutsche Meistertitel, gehörte lange dem CAC-Bundesligateam an. Wegen Knieproblemen beendete sie 2003 ihre Karriere, blieb aber im Fitnessbereich aktiv. Nach neun Jahren Pause, in der sie auch Mutter von Ole – der inzwischen 16-Jährige ist ebenso Gewichtheber – wurde, trainierte sie wieder intensiver, nahm an Wettkämpfen teil, stand bisher national bei den Masters mehrfach ganz oben. Nun gab es die vorläufige Krönung.

