Die deutsche Eliteliga soll von derzeit 17 Vereinen auf neun reduziert werden. Der Bundesverband Deutscher Gewichtheber mit Sitz im baden-württembergischen Leimen hat beschlossen, dass die neun Vereine mit den höchsten Durchschnittswerten in ihren besten fünf Wettkämpfe ab 2019 in der dann nur noch eingleisigen 1. Bundesliga an den Start gehen.

Dagegen regen sich kritische Stimmen. Auch beim aktuellen sachsen-anhaltischen Bronzemedaillengewinner, dem SSV Samswegen. Und das, obwohl die Bördeheber in der zurückliegenden Saison sogar die diesbezügliche Tabelle anführten. Die Bedenken der zumeist eher finanzschwachen Vereine aus dem Osten richten sich gegen übermäßig anwachsende Fahrt- und künftig oftmals notwendige Übernachtungskosten.

Mehr als 800 Punkte im Schnitt nötig

Samswegens sportlicher Leiter Wolfgang Weber: „Die eingleisige Bundesliga hatten wir schon mal. Wie es derzeit aussieht, könnte es passieren, dass wegen der leistungsstarken Westvereine kommende Saison nur wir und der Chemnitzer AC erstklassig heben – vorausgesetzt, wir erzielen einen Durchschnitt von mehr als 800 Punkten.“

AC Mutterstadt, VfL Wolfsburg, Germania St. Ilgen und AC Soest waren von den 1960er bis in die 80er Jahre die deutschen Mannschaftsmeister (West). Vergleichbare Wettbewerbe gab es in der DDR nicht. Hierzulande existierte lediglich eine sogenannte DDR-Liga für „Betriebssportgemeinschaften“. Für die Leistungszentren wie Frankfurt (Oder), Stralsund, Berlin oder Chemnitz existierten im Erwachsenenbereich keine Teamwettbewerbe.

Nach der Wiedervereinigung kehrte sich jedoch das Kräfteverhältnis radikal um. Gewannen der TSV Regen 1990, Germania St. Ilgen 1992 und der ASV Ladenburg 1993 noch einmal die deutsche Meisterschaft, legte 1991 der Berliner TSC nach. Von 1995 bis 1997 war der Chemnitzer AC nicht zu bezwingen. Wer seinerzeit und auch später deutscher Mannschaftmeister werden wollte, musste deutlich über 1000 Punkte anbieten. Zum Vergleich: Beim Meisterschaftsfinale im April in Samswegen ging der Titel mit 905 Zählern an den AV Speyer.

In den zurückliegenden zehn Jahren gewannen Vereine aus dem Westen sechs Titel: zweimal Obrigheim, viermal Speyer). Vier gingen in den Osten, jeweils an Chemnitz.

Leistungszuwachs im Süden

Hatte sich also das Kräfteverhältnis zuletzt fast austariert, ist aktuell ein deutlicher Leistungszuwachs der Teams aus dem Südwesten und Süden zu verzeichnen. Das verdeutlichen die aktuellen Bundesliga-Resultate. So starteten in der Bundesliga-Ostgruppe der Chemnitzer AC mit lediglich 630 Punkten, Blau-Weiß Schwedt mit 668 und der Berliner TSC mit 621 Zählern in die Saison. Die Samsweger, die am 20. Oktober Schwedt empfangen, sind noch ohne Wettkampf.

Anders in der Weststaffel. Da startete der amtierende Meister AV Speyer mit beachtlichen 877 Punkten, der wiedererstarkte AC Mutterstadt – für den einst Olympiasieger Ronny Weller hob – schaffte 867 Zähler. Weitere Ergebnisse: KSV Durlach 774,0; TSV Roding 770,4; Vizemeister Germania Obrigheim 762,5.

So hätte nach Ende der Saison 2017/18 die 1. Bundesliga ausgesehen

(Durchschnitt der besten fünf Wettkämpfe)

1. SSV Samswegen (Gruppe Ost)816,52 Pkt.

2. AV Speyer (West)797,23 Pkt.

3. Germania Obrigheim (West)785,03 Pkt.

4. Chemnitzer AC (Ost)755,04 Pkt.

5. AC Mutterstadt (West)743,92 Pkt.

6. Berliner TSC (Ost)728,08 Pkt.

7. TB Roding (West)668,47 Pkt.

8. TSV Heinsheim (West)666,36 Pkt.

9. Blau-Weiß Schwedt (Ost)659,80 Pkt.